Das Nadelöhr: Rund um den Kaiser-Maximilian-Platz kommt es im Sommer immer wieder zum Dauerstau. Das könnte mit der Untertunnelung beendet werden.

Der Füssener Stadtrat ist einstimmig für die Vorplanung. Das Projekt soll im neuen Bundesverkehrswegeplan als vordringlich eingestuft werden. Davon will Bürgermeister Eichstetter Bayerns Verkehrsministerin Schreyer überzeugen.

Einstimmig hat das Füssener Kommunalparlament am Dienstagabend die Vorplanung für den Stadttunnel (wir berichteten mehrfach) zur Kenntnis genommen. Die Machbarkeitsstudie wird an den Freistaat Bayern weitergeleitet „mit der Bitte um vordringliche Einplanung in die künftigen Straßeninfrastrukturprojekte“. Um die Finanzierung des wahrscheinlich 90 Millionen Euro teuren Projektes über den neuen Bundesverkehrswegeplan zu erreichen, soll auf politischer Ebene für den Tunnel geworben werden: So hat Bürgermeister Maximilian Eichstetter (CSU) bereits um einen persönlichen Termin bei Bayerns Verkehrsministerin Kerstin Schreyer gebeten.

Alle Jahre wieder: Vor allem im Sommer wird Füssen von Blechlawinen überrollt, rund um den Kaiser-Maximilian-Platz kommt es in den angrenzenden Straßen zu langen Staus. Doch in den zurückliegenden Jahrzehnten scheiterten alle Überlegungen, die Situation durch den Bau einer Umgehungsstraße in Richtung Schwangau zu entschärfen. Im Juni vergangenen Jahres meldete sich die Ideenwerkstatt Füssen mit einem neuen Vorschlag exklusiv in unserer Zeitung zu Wort: Die Blechlawinen im Zentrum sollte man unter die Erde verbannen, in einem Tunnel könnte der Verkehr wegen des Wegfalls von fünf Kreuzungen und Konfliktstellen besser fließen. Vor allem aber würde ein solches Projekt der Stadtentwicklung einen gigantischen Schub geben: Denn oberirdisch könnten im Zuge der Verkehrsberuhigung neue Plätze mit einer deutlich besseren Aufenthaltsqualität entstehen, die zum Beispiel attraktive Einkaufslagen wären.

Im Februar beauftragte der Stadtrat mit großer Mehrheit die Bernard Gruppe aus Stuttgart, die Tunnel-Idee in einer Machbarkeitsstudie zu prüfen. Die liegt nun vor und darin kommen die Experten zu dem Ergebnis, dass dieses Bauwerk realisierbar ist. „Es ist technisch machbar, auch wenn es technisch herausfordernd ist. Nur im Bereich der Sebastianstraße gibt es ein paar Engstellen“, sagte Bürgermeister Eichstetter, als er den Stadträten die Pläne vorstellte. Doch das bekomme man in den Griff. Er hob hervor, wie detailliert die Pläne sind – das habe er bei einer Studie, die um die 25.000 Euro netto gekostet habe, nicht zu hoffen gewagt.

Jetzt soll die Planung an den Freistaat übermittelt werden, damit der Tunnel im neuen Bundesverkehrsplan für die Jahre bis 2035/40 als vordringliches Projekt eingestuft wird. Die Arbeiten für diesen neuen Bundesverkehrswegeplan würden ab 2024/25 anlaufen, „somit liegen wir im perfekten Zeitraum“, sagte Eichstetter. Vier Jahre Bauzeit seien für den Tunnel veranschlagt, es werde abschnittsweise Sperrungen geben. Doch am Ende würden eben keine 24.000 Fahrzeuge mehr täglich auf dem Kaiser-Maximilian-Platz unterwegs sein, sondern ein Stockwerk tiefer. Und gleichzeitig gebe es enorme Chancen für die Stadtentwicklung.

Aktuell stünden für die Kommune bei diesem Projekt keine Kosten mehr an, versicherte der Bürgermeister. Das werde erst der Fall, wenn der Tunnel gebaut ist und die Stadt sich um die Gestaltung der Oberfläche kümmert. Doch das sei erst „in fünf, zehn oder 20 Jahren“ ein Thema und dann werde man Städtebaufördermittel nutzen können. Aktuell würden die Kosten für den Tunnel auf 70 Millionen Euro taxiert, bis zu einem Baustart seien es aber sicher 90 Millionen.

Der Tunnel sei zwar technisch machbar, doch müsse er auch finanziert werden, sagte Ilona Deckwerth (SPD). Und das gelinge sicher nur bei „entsprechender Lobbyarbeit“. Wie wolle der Bürgermeister hier vorgehen, wollte sie wissen. Eichstetter verwies hier zum Beispiel auf Deckwerths Parteifreund Dr. Paul Wengert: Der frühere Füssener Bürgermeister und Landtagsabgeordnete gehört der Ideenwerkstatt an. Er hoffe, dass Wengert seine Kontakte zur Bundes-SPD nutzen werde, sagte der Rathaus-Chef. Er selbst werde versuchen, das Projekt in München zu präsentieren.

Peter Hartung (CSU) freute sich, dass jetzt klipp und klar feststeht, dass der Tunnel technisch machbar ist. Jetzt habe man eine Option – und für die müsse man sich einsetzen. Weniger euphorisch zeigte sich Magnus Peresson (UBL). Die Verkehrsbelastung werde in Zukunft steigen und nur unter die Erde gebracht. „Das eigentliche Problem wird damit nicht beseitigt“, sagte er. Auch Eichstetter erwartet, „dass der Verkehr an dieser Stelle sicher nicht weniger wird“. Doch genau das ist für den Bürgermeister „ein Grund mehr zu handeln“.

Dritter Bürgermeister Wolfgang Bader (Grüne) verwies darauf, dass der Tunnel womöglich erst in 20 Jahren kommt. Bis dahin dürfe man nicht nachlassen, nach weiteren Möglichkeiten zu suchen, die Verkehrsbelastung im Zentrum zu minimieren.

Bericht: Heinz Sturm, AZ Füssen
Grafik: Ideenwerkstatt Füssen

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