Der Gehweg darf nicht schmäler werden

Füssens Kommunalpolitiker werden die Änderung des Bebauungsplans voraussichtlich nicht mehr in dieser Amtsperiode unter Dach und Fach bringen. Denn es gibt neue Beschlüsse zum bisherigen Entwurf.

Sie tüfteln seit Jahren daran, doch werden sie diese Aufgabe an ihre Nachfolger übergeben müssen: Die Änderung des Bebauungsplans Otto-/Bahnhofstraße – er beinhaltet unter anderem den Zentralen Omnibus-Bahnhof (ZOB) und den seit langem geplanten Umbau des Luitpold-Kreisverkehrs – werden Füssens Stadträte in dieser Amtsperiode voraussichtlich nicht mehr unter Dach und Fach bekommen. Das befürchtete zumindest Planer Professor Lothar Zettler, nachdem die Kommunalpolitiker jetzt in zwei Punkten den bisherigen Entwurf über den Haufen geworfen haben. So auch die umstrittene Verringerung der Gehwegbreite in der Bahnhofstraße: Den Antrag der Wählergruppe Füssen-Land, darauf zu verzichten, befürwortete das Gremium mit 17: 5 Stimmen. Stattdessen soll die Parkbucht vor dem Luitpoldpark-Hotel ersatzlos wegfallen.

Zu dem Regelwerk waren etliche Einwände und Anregungen eingegangen, die offiziellen Abwägungen dazu trug Diplom-Ingenieur Markus Schaible von der Planungsgruppe Kölz vor. In der Regel befürwortete der Stadtrat diese Abwägungen einstimmig oder doch mit überwältigender Mehrheit. Aber nicht beim Thema Gehwegbreite in der Bahnhofstraße.

Blick auf den Bahnhofsvorplatz (links unten) und die Bahnhofstraße: Dass die Änderung des Bebauungsplans noch in dieser Amtsperiode des Stadtrates rechtskräftig wird, ist nach der jüngsten Sitzung des Kommunalparlamentes eher unwahrscheinlich.

Blick auf den Bahnhofsvorplatz (links unten) und die Bahnhofstraße: Dass die Änderung des Bebauungsplans noch in dieser Amtsperiode des Stadtrates rechtskräftig wird, ist nach der jüngsten Sitzung des Kommunalparlamentes eher unwahrscheinlich.

Für Menschen mit Handicap

Die Idee war, den Gehweg an der Nordseite der Bahnhofstraße zu verschmälern, um die Fahrbahn so verbreitern zu können, dass Busse sie im Begegnungsverkehr nutzen können. Eine Idee, die bereits bei einer Info-Veranstaltung im Frühjahr auf Widerstand der Bürger gestoßen war, doch laut Schaible sollte die Planung nahezu unverändert bleiben. Was Christian Schneider (Füssen-Land) sauer aufstieß: Er erinnerte an den Antrag seiner Fraktion vom April, wonach der nördliche Gehsteig zumindest in der vorhandenen Breite bestehen und im östlichen Teil breiter ausgebaut werden müsse. Denn der Gehweg bilde die Hauptachse für Fußgänger vom Bahnhof zur Innenstadt. Ihn teilweise auf 1,61 Meter verschmälern zu wollen, sei „unverantwortlich gegenüber Mitbürgern mit Handicap“. Außerdem erinnerte Schneider an den geforderten, rot markierten Fahrradstreifen, um eine Lanze für Radler zu brechen. Um das alles ermöglichen zu können, müsse man die Parkbucht vor dem Luitpoldpark-Hotel auflösen und die Fläche der Fahrbahn zuschlagen.

Mit diesen Forderungen erntete Schneider viel Zuspruch aus anderen Fraktionen. Planer und Verwaltung warnten dagegen davor. Zumal der inzwischen gefundene Konsens mit dem Hotel hinfällig werden könnte, wenn man jetzt den Parkstreifen ersatzlos streichen würde. Bürgermeister Paul Iacob (SPD) versuchte, mit einem neuen Vorschlag zu retten, was zu retten war: Die Parkbucht sollte nur teilweise aufgelöst werden, so könnte man den nördlichen Gehweg im Osten zumindest verbreitern. In diesem Fall könne er keine Kompromisse eingehen, antwortete Schneider. Zu deutlicher Mehrheit befürwortete der Stadtrat daraufhin den Antrag von Füssen-Land. Ebenfalls verschwinden soll auf Antrag von Gerlinde Wollnitza (FWF) die Parkbucht vor dem Hotel Schlosskrone, der dort ebenfalls vorhandene Hydrant soll versetzt werden.

Für Planer Zettler waren diese beiden Beschlüsse wenig zweckdienlich: Denn durch die wesentlichen Änderungen müsse man bei der erneuten Auslegung der Pläne mit Widersprüchen rechnen, das ganze Verfahren werde sich länger hinziehen. Aus Sicht des Professors ist nicht damit zu rechnen, dass der in diese Thematik eingearbeitete Stadtrat das Verfahren noch in der bis Ende April laufenden Amtsperiode abschließen kann. Dann müssten sich die Mitglieder des neuen Stadtrates einarbeiten. „Das Thema ist für die neuen Leute ja ein Wahnsinn“, sagte Zettler.

Keine Lappalie

Ähnlich argumentierte Heinz Hipp (CSU): Es sei unverantwortlich, wegen solcher Kleinigkeiten die nachkommenden Stadträte mit diesem Projekt zu belasten. „Das ist keine Lappalie, sondern ein wichtiger Punkt für die Verkehrsführung“, widersprach Bernhard Eggensberger (Füssen-Land). Doch auch er war der Meinung, der amtierende Stadtrat solle das Verfahren abschließen. Wenn man an den jetzt gefassten Beschlüssen nicht nach der nächsten Auslegung rüttele, könne man es noch schaffen, meinte Uschi Lax (CSU). Dieses Ziel peilt auch Bürgermeister Iacob an. Im Beschluss wurde festgehalten, dass die Überarbeitung des Plans und die Gespräche mit den Betroffenen möglichst zügig vonstatten gehen müssen, damit das Projekt noch in dieser Amtsperiode abgeschlossen werden kann. Das beurteilen Planer und Verwaltung freilich eher skeptisch: Von ihrer Seite ist zu hören, dass aller Voraussicht nach der künftige Stadtrat die Aufgabe haben wird, diese Bebauungsplan-Änderung abzuschließen.

Bericht: Heinz Sturm – AZ Füssen
Foto: Benedikt Siegert – AZ Füssen

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