Durch den Bau eines Verkehrstunnels in der Füssener Innenstadt sollen die alljährlichen Blechlawinen unter die Erde verlagert werden. „Fridays for Future“ sieht das Vorhaben jedoch kritisch.

Kritik an den Plänen für einen Stadttunnel kommt jetzt von „Fridays for Future“. So lasse die Machbarkeitsstudie einige Aspekte außer acht.

Ist ein Tunnel in der Innenstadt die Lösung, um die Lechstadt vom Verkehr zu entlasten? Technisch wäre er jedenfalls möglich, das hat eine Machbarkeitsstudie der Bernhard Gruppe ergeben (der Kreisbote berichtete). Doch dabei seien zahlreiche Punkte nicht beachtet worden, kritisiert die „Fridays for Future”-Ortsgruppe Füssen/Pfronten in einer Pressemitteilung. Diese müssten zuerst erörtert und mit der Füssener Bevölkerung gelöst werden, fordert die Gruppe rund um Hauptorganisatorin Michelle Derbach.

„Der Bau eines Verkehrstunnels in der Füssener Innenstadt ist aus umweltpolitischer Sicht aus mehreren Gründen problematisch,“ meint Derbach. Nach Ansicht einiger Geologen der „Scientist for Future” in München sei die von der Bernhard Gruppe vorgelegte Machtbarkeitsstudie mängelbehaftet. Demnach seien weder alle Wirkpfade korrekt beleuchtet, noch die Schutzgüter nach dem Umweltverträglichkeitsprüfungsgesetz (UVPG) behandelt worden.

Wasserschutz nicht beachtet

Speziell die Auswirkungen im Bereich Wasserschutz in Bezug auf die Wasserrichtlinie (WRRL) sowie die auf das Klima gemäß Klimaschutzgesetz würden durch die Unterlage nicht dargestellt. Ferner seien in der Machtbarkeitsuntersuchung der Katastrophenfall wie Starkniederschlagsereignisse und eine damit verbundene Tunnelsperrung oder Bergungen nicht miteinbezogen. Als Beispiel führt die FfF-Ortsgruppe das Jahrhunderthochwasser 2005 an. Wiederhole sich solch eine Katastrophe wären die Schäden enorm.

Daneben seien sich führende Experten einig, dass der Bau von neuen Straßen nicht zu weniger, sondern mehr Verkehr führe. Die Zeichen der Zeit deuten laut der FfF-Ortsgruppe ohnehin auf andere Lösungen wie den Ausbau öffentlicher Verkehrsmittel oder den Bau zusätzlicher Radwege hin.

Bevölkerung miteinbeziehen

Auch wenn es eine große politische Rückendeckung für den Stadttunnel im Stadtrat gebe, sollte das Projekt auf diese Probleme hin untersucht werden, fordert die FfF-Ortsgruppe. Außerdem sollte die Bevölkerung in die Planungen miteinbezogen werden. Das sei nach Ansicht der Aktivisten bisher nicht ausreichend der Fall gewesen, wie ihre Umfrage unter Geschäfsinhabern ergeben habe.

Demnach seien nahezu 96 Prozent davon gegen den Bau eines Stadttunnels. Gründe wie „Unsinn“, „zu teuer“, „zu viel Lärm“, „höhere Abgasemissionen“, „sicher zahlreiche Straßensperrungen“, „schädlich für den Tourismus“ oder „Geschäftsschädigend“ wurden genannt. Zudem hätten die Eigentümer der Geschäfte darauf hingewiesen, dass viele Großprojekte wie etwa der Flughafen Berlin oder Stuttgart 21 viel mehr Geld als geplant verschlungen hätten und sich die Fertigstellung stets verzögert habe. Die FfF-Ortsgruppe warnt davor, dass andere geplante Stadttunnel wie der Lobautunnel in Wien aufgrund eines wachsenden Widerstandes gestoppt wurden.

„Wir sagen grundsätzlich nicht Nein zum Autotunnel! Aber die oben angeführten Probleme müssen erörtert und mit der Füssener Bevölkerung gelöst werden”, fordert Michelle Derbach. „Wir sagen Ja zu einer menschenfreundlichen Stadtentwicklung. Ja zu einer lebenswerten und gesunden Stadt! Ja zu einem lebendigen Füssen! Aber Nein zu einer schlechteren Ökobilanz!“

Bericht & Foto: Katharina Knoll, KB Füssen

Wir danken dem Kreisbote Füssen für die freundliche Überlassung des Beitrages.

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