Christian Schneider

Bauausschuss: Zwar hat die Eigentümerin die Forderungen der Kommunalpolitiker erfüllt. Doch ein Antrag der Gruppe Füssen-Land stoppt den Bebauungsplan, mit dem die Einrichtung baurechtlich abgesichert werden sollte

Von Heinz Sturm

Am Tag nach der Sitzung des Füssener Bauausschusses steht Sandra Ringmann unter Schock. Denn ihrer Pony- und Pferderanch in Weißensee droht das Aus. Ehe die Diskussion im Gremium beginnen konnte, wie man die Einrichtung baurechtlich absichern könnte, hatte Vize-Bürgermeister Christian Schneider für Füssen-Land einen Antrag zur Geschäftsordnung eingebracht: Wegen einer Vielzahl von Gründen – vor allem aber wegen der Schwarzbauten – solle der für den Fortbestand der Ponyranch erforderliche Bebauungsplan Brand-Mühlbach nicht weiter verfolgt werden, stattdessen sollten alle nicht genehmigten Bauten wieder rückgebaut werden. Mit 7:4 Stimmen fand dieser Antrag eine Mehrheit.

Seit Jahren beschäftigt die Pony- und Pferderanch die Kommunalpolitiker, die sich hier in einem Spannungsfeld befinden: Auf der einen Seite eine ganze Reihe von Schwarzbauten wie Reitplätze gepaart mit nicht genehmigten Eingriffen in Biotope ( wir berichteten mehrfach ). Auf der anderen Seite handelt es sich hierbei um eine gerade bei Familien beliebte Einrichtung, die auch Therapiestunden für Kinder mit Beeinträchtigungen anbietet.

Zuletzt Anfang Juli diskutierte der Bauausschuss über die Ponyranch. Sollte man die Ende 2019 auf den Weg gebrachte Bauleitplanung sofort stoppen und der Ranch damit die Geschäftsgrundlage entziehen? Oder sollte man der Eigentümerin eine letzte Chance einräumen, um die baurechtlichen Grundlagen für den Betrieb zu schaffen? Mehrheitlich sprachen sich die Ausschussmitglieder damals für eine letzte Chance aus. Doch die war befristet: Anfang September sollte endgültig ein Beschluss gefällt werden.

Seither hatte sich viel getan, wie Bürgermeister Maximilian Eichstetter (CSU) auf Nachfrage unserer Zeitung mitteilte. In vielen Stunden hätten er und seine Mitarbeiter ein Ergebnis mit Eigentümerin Ringmann festgezurrt, mit dem alle Beteiligten hätten leben können. Mehrere Schwarzbauten hätten verschwinden müssen, andere Bauvorhaben seien begrenzt worden – man hätte einen ordnungsgemäßen Zustand erreichen können. Das bestätigt Ringmann: Sie habe endlich Ausgleichsflächen finden können, das ganze Vorhaben sei eng mit Veterinär- und Landratsamt abgestimmt worden. Daher habe sie mit den beauftragten Planern bei der Sitzung am Dienstagabend „auf die Erlösung gehofft“, auf eine Zustimmung zum weiteren Bauleitverfahren. Doch es kam anders.

Ehe es um die Inhalte ging, meldete sich Vize-Bürgermeister Schneider zu Wort. Für Füssen-Land beantragte er, den Bebauungsplan Brand-Mühlbach nicht weiter zu verfolgen. Zwar sehe auch seine Fraktion „die Einrichtung als wichtig und gut an. Gerade das therapeutische Reitangebot für Kinder ist hervorzuheben“. Allerdings würden mehrere Gründe gegen eine nachträgliche Legalisierung der Bauten sprechen:

„Wir schaffen mit der Genehmigung im Quellmoorgebiet einen Präzedenzfall “, sagte Schneider.

Eine nachträgliche Genehmigung der Schwarzbauten sorge für Unmut bei der Bevölkerung.

„Beim Grundstückserwerb war der Eigentümerin eine weitere Bebauung vom Landratsamt bereits untersagt worden“, sagte er.

Eine Vergrößerung des Betriebes sei an dieser Stelle aufgrund der beengten Fläche nicht möglich.

„Gepachtete Ausgleichsflächen der Stadt Füssen wurden als Weideflächen missbraucht “, sagte Schneider. Mehrmaliges Untersagen der Unteren Naturschutzbehörde sei ignoriert worden.

„Gespräche mit der Eigentümerin führten zu keinem Ergebnis, im Gegenteil, es wurden weitere Baumaßnahmen ohne Genehmigung durchgeführt.“

Für den Betrieb liege keine landwirtschaftliche Privilegierung vor. „Hätte sie eine Landwirtschaft, müsste sie mit Kontrollen rechnen, denen ihr Betrieb nicht standhalten würde“, heißt es in dem Antrag.

Die Infrastruktur neben einem Wohngebiet und mit nur einer Zufahrt zum Grundstück sei denkbar ungünstig und verursache Konflikte , verwies Schneider auf 19 kritische Stellungnahmen von Bürgern.

Man sollte dem Landratsamt deshalb empfehlen, einen Rückbau der Schwarzbauten anzuordnen. Damit setzte man ein Zeichen, dass so ein Vorgehen auch in Zukunft nicht geduldet werde. Ohne Debatte sprachen sich Vertreter von Füssen-Land, CSU und Grüne dafür aus. Mit 7: 4 Stimmen wurde das Bebauungsplan-Verfahren eingestellt. Vom abrupten Ende eines langen Prozesses sprach später Eichstetter, der gegen den Antrag gestimmt hatte. Auch Jürgen Doser (FWF) hatte ihn abgelehnt. Die Art und Weise, wie Füssen-Land hier vorgegangen sei, „finde ich überhaupt nicht gut“, sagte Doser. Schneider verwies darauf, dass seine Fraktion bei ihrer seit langem geäußerten Meinung geblieben sei – diese Schwarzbauten dürfe man nicht legalisieren.

„Ein absoluter Schock, weil niemand damit gerechnet hat“, war die Entscheidung des Gremiums für Sandra Ringmann. „Hier sind doch nur Ponys und Mädchen. Doch die behandeln uns, als wären wir Schwerverbrecher“, sagt sie fassungslos. „Wenn nicht irgendwie ein Wunder geschieht“, befürchtet sie nun das Aus für die Ponyranch.

Wir danken der AZ Füssen für die freundliche Überlassung des Beitrages.