Über 160.000 Euro weniger Ertrag als geplant: Bei der Bilanz der städtischen Parkplätze machte sich Corona stark bemerkbar. Vor allem die Umsätze der Stellflächen am Festspielhaus (Bild) gingen stark zurück.

Die Stadtwerke Füssen stecken weiter in juristischen Auseinandersetzungen und haben mit Corona zu kämpfen. Folge: Im vergangenen Jahr machten sie unter anderem mit den Parkplätzen über eine dreiviertel Million Euro Miese

Sie haben sich rund zwei Wochen in Füssen einquartiert, alle Zahlen und Unterlagen mehrmals auf den Kopf gestellt. Erst danach war Aufatmen angesagt. Die Rede ist vom Bayerischen Kommunalen Prüfungsverband (BKPV). Dieser war im September bei den Stadtwerken Füssen zu Gast, um deren Jahresabschluss abzusegnen. Ergebnis: Die Absolution ist erteilt. Leiter Helmut Schauer und sein Team wurden in ihrer Arbeit uneingeschränkt bestätigt. Jedoch weist der BKPV ausdrücklich auf eine „niedrige Eigenkapitalausstattung sowie eine angespannte Finanzlage“ bei den Stadtwerken hin.

Kein Wunder: Der Eigenbetrieb der Stadt mit seinen Sparten Wasser, Abwasser und Parken hat das Jahr 2020 mit einem Minus von 750.000 Euro abgeschlossen. Wie Schauer Stadträten erklärte, waren Fehlbeträge zum Teil einkalkuliert worden. Etwa aufgrund von Rückstellungen, die für Prozesskosten getätigt worden waren. Dabei geht es um juristische Auseinandersetzungen um Swap-Geschäfte mit einer Münchner Privatbank (unsere Redaktion berichtete) , aber auch um Streitigkeiten um ein neues Füssener Wasserschutzgebiet auf Schwangauer Grund. Die Kosten für die Beratung durch Anwälte reichen bis in den sechsstelligen Bereich. Aber es gibt auch gute Erfolgsaussichten: So könnte die Stadt Millionenbeträge von der Privatbank zurückerhalten. Ein entsprechendes Urteil fiel bereits in erster Instanz.

Völlig unvorbereitet traf die Stadtwerke dagegen die Corona-Pandemie. Besonders bei der Bilanz der drei städtischen Parkflächen an der Morisse, dem Festspielhaus und unter der Sparkasse macht sich dies bemerkbar. Um über 160.000 Euro niedriger als erwartet fielen die Umsätze im Jahr 2020 dort aus. Etwas besser dann die Lage heuer. „Das war gar nicht so schlecht“, sagte Schauer. Momentan liegen die Zahlen deutlich über dem Vorjahr. „Und das obwohl wir hier bis April keinen einzigen Gast in Hotel oder Gastro hatten wegen des Voll-Lockdowns“, sagte Bürgermeister Maximilian Eichstetter (CSU). Bemerkbar macht sich vor allem eine Interimsvereinbarung mit dem Festspielhaus, dank der 36.000 Euro in die Kassen der Stadtwerke gespült werden. „Hier müssen Sie aber erst noch eine endgültige Entscheidung fällen“, sagte Schauer in Richtung der Stadträte. Hintergrund: Die Modalitäten für die Abrechnung der Stellplätze direkt am Theaterhaus sind noch nicht restlos geklärt. Aber trotz dieses Einnahmenplus werden die Stadtwerke auch 2021 Miese machen – bei den Parkplätzen liegt der Fehlbetrag bis Oktober bei rund 200.000 Euro, Tendenz noch fallend. Bei Wasser- und Abwasser ist zusammen gerechnet derzeit von einem Minus von 30.000 Euro die Rede.

Bleibt die Frage nach der Zukunftsprognose: Und da wollte Schauer den Stadträten nichts vor machen. Denn auch für 2021 rechnen die Stadtwerke in allen drei Bereichen wieder mit roten Zahlen. Selbst wenn sich die Corona-Lage deutlich entspannen sollte. „Es bringt ja nichts, das in der Prognose auf Null hinzurechnen“, sagte Schauer. In der Vergangenheit war das häufig der Fall gewesen. Doch zumeist stand am Ende doch eine rote Zahl zu Buche.

Mit 400.000 Euro Defizit werde derzeit kalkuliert. Grund sind Rohrnetzarbeiten in Weißensee und bald in der Luitpoldstraße, Arbeiten an Pumpverteilern und Kanälen in der Kernstadt. Und dann wäre da noch das Sorgenkind Sparkassentiefgarage. „Dort wollen wir uns im kommenden Jahr etwas Luft verschaffen“, sagte Schauer. Bedeutet aber trotzdem, dass ein hoher Betrag (30.000 Euro) für den Brandschutz fällig wird. Jedoch Peanuts im Vergleich zu den zwei Millionen Euro, die für die weitere Sanierung des Bauwerks derzeit im Raum stehen.

Gebührenstaffelung missfällt

Niko Schulte und Christian Schneider (beide Füssen-Land) wiesen in diesem Zusammenhang darauf hin, dass ihnen die Gebührenstaffelung missfalle. Das betreffe Kurzzeit-, aber auch Dauerparker. „Haben wir da kein Mitspracherecht?“, wollte Schneider wissen. Der Zweite Bürgermeister verwies auf eine erneute Erhöhung um zehn Prozent für Langzeitstellplätze. Schauer entgegnete, dass die Preisgestaltung Sache von Apcoa sei. Dieses Unternehmen bewirtschaftet die Parkplätze im Auftrag der Stadt. „Das ist uns auch ein Dorn im Auge, aber die Verträge geben uns hier kein Mitspracherecht“, sagte Schauer. Heute würde man sie so nicht mehr abschließen.

Bericht & Foto: Benedikt Siegert, AZ Füssen

Wir danken der AZ Füssen für die freundliche Überlassung des Beitrages.